• Register

Werbung

simyo - Prepaid und Postpaid Handytarife Greenpeace Energy - für die Energiewende geben wir alles - außer klein bei

Seeslen, Georg: Klassiker der Filmkomik

Nicht mehr komisch

Seeßlen, Georg: Klassiker der Filmkomik. Eine Einführung in die Typologie des komischen Films, Bernhard Roloff Verlag, München 1976

Lachen befreit. Von innerer oder äußerer Anspannung. Darum mögen wir diejenigen, die uns zum Lachen bringen. Vor allem mögen wir Komiker im Film, die sich mit Witz als David gegen Goliath behaupten. Schon 1976 hat der Filmkritiker und Vielschreiber Georg Seeslen gemeinsam mit Bernhard Roloff ein Buch über jene verfasst, die uns in Filmen zum Lachen bringen. In „Klassiker der Filmkomik“ entwirft Seeslen „Eine Einführung in die Typologie des komischen Films“. So zumindest lautet das Versprechen des Untertitels.

Ein Versprechen, welches nicht eingelöst wird. Seeslens Typologie ist unausgewogen, mit einer starken Tendenz einzelne Filmkomiker zur Typologie des Genres zu erklären. Dies zeigt sich schon an der Kapitelaufteilung. Das erste Kapitel „Der Komiker – die Funktionen des komischen Außenseiters“ und das zweite Kapitel „Die Visualisierung des Komischen im Medium Film“ fallen mit je 14 Seiten Umfang ziemlich knapp aus gegenüber dem mit 45 Seiten deutlich längeren Kapitel 3 „Typologie der klassischen Filmkomik“. Da sich die Typologie des dritten Kapitels hauptsächlich aus verschiedenen Komikertypen speist – Charlie Chaplin, Buster Keaton, Die Marx-Brothers und weiteren – und nur zu einem sehr kleinen Teil Sub-Genres entwickelt, wirkt diese Einteilung veraltet.

Der Außenseiter und die Verschiebung sorgen für Gelächter

Dabei sind die Ansätze der ersten beiden Kapitel vielversprechend. „Das Vergnügen realisiert sich in der Komödie ebenso wie in der Tragödie über die Verschiebung, und mehr als in allen anderen Genres erleiden in der Komödie die Protagonisten ihr Schicksal stellvertretend für das Publikum.“ Die Formen der Verschiebung zeigen sich in Missverständnissen, inkompatiblen sozialen Gruppierungen oder auch wenn eigentlich Selbstverständliches ein Eigenleben entwickelt und sich gegen den Benutzer wendet.

Der Komiker, ausgestattet mit der Waffe der eigenen Wahrheit, kämpft gegen gesellschaftliche Regeln. Spätestens mit der Aufnahme des Kampfes erkennt auch das Publikum die Fehlerhaftigkeit der Regeln. Der Komiker ist die Außenseiterfigur, die stellvertretend für den Zuschauer jene Missstände erdulden muss, denen sich der Zuschauer zu entziehen weiß. Charlie Chaplin gerät in „Modern Times“ in die Mühlen der Maschinerie und die Jugendlichen in „American Pie“ in allerlei peinliche Situationen. Aus dem Ohnmachtsgefühl des Komikers entsteht das Gelächter des Zuschauers.

„Klassiker der Filmkomik“ nicht anschlussfähig an moderne Filmkomödien

Der vielleicht humorvollste Satz des sich sehr ernst nehmenden Buches ist: „Jede erotische Komödie beschreibt, wie Mann und Frau ihr emotionales Timing aufeinander einstellen.“ Aus der erotischen Komödie ist schon lange die Beziehungskomödie geworden, manchmal auch die Teenager-Komödie. Auch sonst hat sich das Spektrum der Filmkomödie seit 1976 derart stark verändert, dass „Klassiker der Filmkomik“ nicht länger anschlussfähig ist an die Erfahrungswelt des heutigen Lesers. Die Typologisierung würde heute sinnvollerweise anhand Genre- und verschiedenen Sub-Genre-Regeln entwickelt werden. Die starke Fokussierung auf den Komiker als entscheidendes Element der Komödie ist überholt.

Zwar gibt es heute auch „Ben-Stiller-Movies“ und Komödien mit Asthon Kutcher oder Adam Sandler. Trotzdem ist der Komiker bloß das Aushängeschild, die Richtung gibt das (möglichst ausgefallene) Setting vor. Ben Stiller und Robert De Niro geben „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ die Würze, aber das Setting des Underdogs, der neben dem Übervater nicht untergehen darf, gibt den Ton an. Das Setting dominiert. Sei es in „Hangover“, in „Hitch – Der Date Doktor“ oder vielen weiteren Komödien.

Wenig lustig: Wissenschaftsdeutsch

Auch die Sprache des Buchs wirkt veraltet. Viele Sätze sind unnötig kompliziert, beinhalten häufig wenig Information und erzeugen so den Eindruck eines verschwurbelt geschriebenen Textes. Es ist die ungelenke Sprache der Wissenschaft, die dann profitiert, wenn Ideen, Beobachtungen und Analysen in einem möglichst aufwendigen Sprachkorsett verpackt werden.

Durch die Entscheidung, einzelne Komödianten in den Mittelpunkt zu stellen und dafür Sub-Genres zu vernachlässigen, gibt es für den Leser leider nahezu keine Anknüpfungspunkte an aktuelle Filmkomödien – man könnte versuchen Ähnlichkeiten zwischen den Komikertypen aufzuzeigen, aber letztlich wird dies auch fruchtbar sein. Eine echte Genrebetrachtung, unterteilt in die verschiedenen Subgenres, wäre für den heutigen Leser sicherlich interessanter. So aber ist das rund 35 Jahre alte Buch eine halbe Ewigkeit entfernt und nicht mehr zeitgemäß. Wer sich nicht gerade sehr für die Geschichte der Filmkomödie interessiert, wird mit diesem Buch seine Zeit verschwenden. Darum kann für „Klassiker der Filmkomik“ nicht gelten, was gute Komödien für sich in Anspruch nehmen dürfen: Im besten Fall lösen sich Widersprüche und Probleme in einem herzhaften Gelächter einfach auf.

Klassiker der Filmkomik bei Amazon bestellen

Anzeige

SmartNews.Com

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de