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Goodhill, Jane: Menschenpflichten - zum Tag der Menschenrechte

Das Menschenrecht als Menschenpflicht

Goodhill, Jane (Hrsg.): Menschenpflichten. Eine (Liebes-)Erklärung in 19 Artikeln, Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2011, 96 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-940111-90-6

Wenn ein moderner Staat nicht weiß, wie er seine Außenpolitik rechtfertigen soll, kann er sich immer auf die Menschenrechte berufen. Jene Rechte, die als Folge der Gräuel des Zweiten Weltkrieges am 10. Dezember 1948 durch die UN-Generalversammlung verabschiedet wurden und die für jeden gleichermaßen gelten. Zumindest wenn der entsprechende Staat die Menschenrechtserklärung unterzeichnet hat, denn die Menschenrechte sind nicht naturgegeben. Damit die Menschenrechte nicht zum Totschlagargument moralischer Überlegenheit werden, hat der InterAction Counsil 1997 die „Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten“ in 19 Artikeln verabschiedet.

Jane Goodhill, 38 Studierende und 19 Menschenpflichten

Nun haben 38 Studierende der Johannes Gutenberg Universität Mainz unter dem Pseudonym Jane Goodhill das Buch „Menschenpflichten. Eine (Liebes-)Erklärung in 19 Artikeln“ herausgegeben. Das Ergebnis des Seminars „Ästhetische Aspekte des Buches“ ist ein schmales Bändchen, in dem jeder Artikel der Menschenpflichten mit einer eigenen Illustration bebildert wird.

Mehrdad Zaeris Illustrationen sind irritierend wertkonservativ

Die Illustrationen des Buchs entstammen der Feder des freischaffenden Zeichners Mehrdad Zaeri und sind irritierend wertkonservativ. Mann und Frau, die sich küssen, die gemeinsam spazieren gehen oder zwei Kinder haben. In der Illustration zu Artikel 15 – es geht um Religionsfreiheit – hängt eine Frau die Sonne ab, damit ein Mann einen Halbmond aufhängen kann. Sie kommt aus einem Häuschen mit Reetdach, er aus einem Minarett. In einer anderen Illustration reicht eine Frau einen Apfel an einen Mann im Rollstuhl. Rückwärtsgewandt ist der Gedanke, dass der Mensch im Rollstuhl hilfsbedürftig sein muss. Naiv, geradezu blauäugig, ist der Umgang mit dem biblischen Bild, dass eine Frau einem Mann einen Apfel von einem Baum reicht. Wie bei der Illustration zur Religionsfreiheit ist mehr Fingerspitzengefühl wünschenswert oder auch ein redaktioneller Eingriff.

So wirken die Illustrationen, auch dass es immer Mann und Frau sind, als seien sie der Bundesrepublik der 50er Jahre entsprungen und nicht der heutigen Multi-Kulti-Gesellschaft.

Hans Küng bleibt vage

Für das Nachwort konnte der vor allem durch sein Projekt Weltethos bekannte Theologe Hans Küng gewonnen werden. Darin begeht er gleich im ersten Absatz einen weit verbreiteten Frevel: Er bleibt vage. „Dass vielerorts, wo es möglich wäre, die Menschenrechte nicht verwirklicht werden, liegt in den meisten Fällen am mangelnden politischen und ethischen Willen.“ Allein in einem Satz finden sich vier Relativierungen!

Welche sind also die Menschenrechte oder -pflichten, für die eingetreten werden soll? Weder die niedlichen, aber wenig zeitgemäßen Illustrationen geben eine Antwort noch das Nachwort. Am Maßstab einer professionellen Produktion wirkt „Menschenpflichten. Eine (Liebes-)Erklärung in 19 Artikeln“ naiv und nicht zu Ende gedacht. Als Ergebnis eines Seminars, bei dem es mutmaßlich darum ging, Projektmanagement zu erlernen, ist es sehr ansehnlich. Dass die Menschenpflichten ein Quasi-Bestandteil der Menschenrechte sind, ist immer eine Erwähnung wert. Was es letztlich mit den Menschenpflichten auf sich hat, legt ein Zitat des französischen Schriftstellers Albert Camus nahe: „Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.“ Das Recht des Anderen wird zu meiner Pflicht.

 

Schröder, Nicolaus: 50 Klassiker Film

50 Filmklassiker für einen Filmkanon

Schröder, Nicolaus: 50 Klassiker Film. Die wichtigsten Werke der Filmgeschichte, Gerstenberg Visuell, Hildesheim 2004

Das Buch „50 Klassiker Film“ ist als Anregung konzipiert. Es gilt nicht nur Wissenslücken zu schließen, sondern auch schon bekannte Filme noch einmal neu anzusehen. Denn „gerade das Wiedersehen von bekannten Filmen ermöglicht erstaunliche Entdeckungen.“ Zumindest schreibt dies der Autor des Buchs Nicolaus Schröder. Ob „Citizen Kane“ von Orson Welles, Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ oder die Nouvelle Vague Filme „Ausser Atem“ und „Jules et Jim“ – Schröder präsentiert eine gelungene Auswahl.

Steinmetz, Rüdiger: Grundlagen der Filmästhetik

Halbtotale auf die Sprache des Films

Steinmetz, Rüdiger: Grundlagen der Filmästhetik. Filme sehen lernen 1, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2009, 9. Auflage

Das Unternehmen Zweitausendeins bezeichnet sich selbst als Kulturversandhaus. Versendet werden hauptsächlich Restauflagen des modernen Antiquariats und Neuauflagen antiquarischer Bücher. Seltener werden Eigenproduktionen aufgelegt. Mit „Grundlagen der Filmästhetik“ von Rüdiger Steinmetz hat man es gewagt und einen echten Coup gelandet. Denn das 46 Seiten dünne Bändchen, welches in einem schicken Schuber verkauft wird, wurde 2005 zum ersten Mal angeboten. Man traf damit einen Nerv und so erschien der Band zuletzt 2009 in der schon neunten Auflage. Sogar eine Fortsetzung gibt es. Sie heißt: „Licht, Farbe, Sound“ bzw. „Filme sehen lernen 2“.

Kleine Filmausschnitte trüben die sehr gute Auswahl der Beispiele

Der schlichte Untertitel des ersten Bandes lautet: „Filme sehen lernen“. Weil der Untertitel ernst genommen und eine DVD mit zahlreichen Filmausschnitten beigelegt wurde, ist der Titel so erfolgreich. Insofern handelt es sich bei „Grundlagen der Filmästhetik“ eigentlich um eine DVD mit einer ausführlichen Beilage. Die Filmausschnitte sind umsichtig ausgewählt und gut erläutert. Allerdings füllen die einzelnen Filmausschnitte weniger als ein Viertel des Bildschirms. Dies ist einer umfassenden Menüführung geschuldet, die drei Viertel des Bildschirms für sich beansprucht und wie sie für DVDs eigentlich nicht vorgesehen ist. Die kleinteilige Aufteilung in Kapitel und Unterkapitel ist sinnvoll, aber der kleine Bildausschnitt ärgerlich. Er ist sogar so klein, dass er leider nicht mehr als eine Referenz auf den Originalfilm ist.

Alphabetisches Kompendium filmanalytischer Begriffe

Trotz des hochwertigen Hardcover-Einbandes bleibt das dünne Büchlein zur DVD ein Begleitbuch. Während auf den ersten Seiten Bedienung und Aufbau der DVD beschrieben werden, umfasst das folgende „Kompendium“ etwa zwei Drittel des Beilegers. Darin können die für die DVD wichtigsten Begriffe alphabetisch geordnet nachgeschlagen werden. Diese führen knapp aber fundiert in das Vokabular der Filmanalyse ein. Durch die alphabetische Sortierung fehlen Schwerpunkte und ein am Inhalt strukturierter Aufbau, so dass es Einsteigern schwer fallen dürfte, sich allein zurecht zu finden. Auffällig ist darüber hinaus die Nähe zum französischen Film und damit einhergehend ein Hang zum Autorenfilm. Dies findet seine Ausprägung in Begriffen wie Caméra Stylo, Diegese oder Mise en Scène, sowie in der breiten Erklärung des Konzepts des Cinéma Vérité. Der Qualität des Beilegers tut dies allerdings keinen Abbruch.

Gute Einführung, aber zusätzliche Begleitung vorteilhaft

Insgesamt ist „Grundlagen der Filmästhetik“ sehr gut geeignet für Anfänger und Einsteiger, wobei es erst richtig wertvoll wird als Begleitmaterial zum Einführungsseminar in die Filmanalyse. Verbesserungswürdig ist bloß die zu klein geratene Darstellung der Filmbeispiele.

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Heller/ Steinle: Filmgenres. Komödie

Die Filmkomödie: Viel Überblick, wenig Einordnung

Heller, Heinz-B./ Steinle, Matthias (Hrsg.): Filmgenres. Komödie, Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2005

Nach dem viel strapazierten Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud ist der „Ursprung der komischen Lust“ im Vergleich zu suchen: Das Ich vergleicht sich mit dem Anderen. Ich mit dir, der Schwiegersohn mit dem Schwiegervater und der Komiker mit dem Rest der Welt. Das kann komisch sein. Dazu sind Beschleunigung und Anhäufung für die Herausgeber des Reclam Bandes „Filmgenres. Komödie“ die richtigen Würzmittel, um den Vergleich weiter mit Humor anzureichern. Wie in der Reclam-Reihe „Filmgenres“ üblich ist das Buch zusammengesetzt aus einer kurzen Einleitung mit den wichtigsten Hinweisen zum Genre und einem langen Teil, in dem die wichtigsten Filme des Genres vorgestellt werden. Leider ist die interessante Einleitung mit nur zwölf Seiten sehr knapp ausgefallen. Die restlichen der knapp 500 Seiten werden durch die Filmbesprechungen gefüllt.

Typenkomödie vs. Handlungsorientierte Komödie

Heinz-B. Strehle und Matthias Steinle unterscheiden zwei grundsätzliche Pole der Komödie. Auf der einen Seite Filme, in denen der Komödiant im Mittelpunkt steht. Gemeint sind die alten Klassiker des Genres, die Filme von Charlie Chaplin zum Beispiel oder auch die Marx Brothers und Laurel & Hardy. Die komische Figur steht im Mittelpunkt und bleibt über mehrere Filme hinweg stabil. Auf der anderen Seite befinden sich jene Filme, bei denen Handlung und Dialog dominieren. Dies sind zunächst Screwball Comedies wie sie zum Beispiel Billy Wilder inszenierte. Heute sind es Komödien, die ihr Potential aus außergewöhnlichen Settings schöpfen, wie zum Beispiel nach einer durchzechten Nacht in Las Vegas aufwachen, ohne Erinnerung an den letzten Abend, um festzustellen, dass der Bräutigam fehlt.

Den Umschwung von der ersten zur letzteren Darstellung führen die Autoren auf die Einführung des Tonfilms zurück. Denn damit wurde nicht nur der Wortwitz ermöglicht, sondern auch eine schnellere Erzählweise. Darum wird die Typenkomödie abgelöst durch die Handlungskomödie. Georg Seeslen hat diesen Wandel in seinem Buch „Klassiker der Filmkomik“ von 1976 schlicht übersehen bzw. nicht beschrieben. Erst Jacques Tati und Woody Allen werden von den Herausgebern als Beispiele dafür genannt, dass sie die auseinandergetretenen Formen vereinen. Die eigentümliche Sicht auf die Welt steht im Mittelpunkt einer handlungsorientierten Komödie und diese bleibt mit kleineren Abwandlungen stabil über mehrere Filme.

Im Unterschied zur bürgerlichen Illusionskunst

Neben dem Vergleich, der durch Anhäufung und Beschleunigung komisch wird, machen die Autoren vier grundlegende Prinzipien des Filmgenres Komödie aus wobei sie die Komödie von der „bürgerlichen Wort- und Illusionsbühne“ unterscheiden. Wenn erstens der Körper als Ausdrucksmedium wichtiger ist als das Wort und zweitens die darstellerische Performance des Körpers wichtiger ist als die nachvollziehende Einfühlung in eine Figur, ist der Versuch aufgehoben, etwas realistisch nachzuerzählen. Die psychologisch einfühlsame Erzählweise ist jene der Illusionsbühne. Die Grimassen der Komödianten Eddie Murphy und Jim Carrey sind ein Garant für das Gelingen der Komödie – eben weil sie überzogen sind und nicht realistisch.

Das dritte Prinzip sei „das selbstreferentielle und selbstparodistische Spiel mit ihrer eigenen Mediengeschichte“, wie es gut bei den Parodien „Austin Powers“ und „Spaceballs“ oder bei den Doku-Komödien Sacha Baron Cohens zu sehen ist. Das das vierte und letzte Prinzip verlangt, dass das künstliche Setting stets zu erkennen ist.

Nachdem die beiden Herausgeber das Genre umrissen haben, weigern sie sich am Ende der Einleitung eine abschließende Definition des Genres Komödie zu präsentieren. Als zeit- und kontextabhängiges Wahrnehmungsphänomen sei die Filmkomödie nur pragmatisch zu bestimmen. Damit mögen Heller und Steinle zwar Recht haben und dennoch zeugt es ein wenig von Koketterie. Denn welche Geisteswissenschaft, dazu zählt die Beschreibung der Filmkomödie allemal, unterliegt nicht dem Zeitgeist? Und so krankt „Filmgenres. Komödie“ insgesamt an der zwar guten, aber zu kurzen Einleitung und daran, dass die Sammlung vieler Filmbesprechungen in einem Buch nicht mehr zwingend dem Zeitgeist entspricht. Andererseits erfüllt das Buch noch immer seinen Zweck: Es verschafft Orientierung und Sicherheit.

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Steinmetz, Rüdiger: Filmmusik. Filme sehen lernen 3

Die Soundgestaltung im Film als Erzählmittel

John Williams, Hans Zimmer oder Yann Tiersen heißen bekannte Filmkomponisten. Der Geräuschemacher Ben Burtt erzeugte das Keuchen Darth Vaders und das Brummen der Lichtschwerter. Auch wenn man sie auf der Leinwand nicht direkt sehen kann, Ton und Musik sind wichtige erzählerische Bestandteile des Films. Der Mord in der Dusche ist in Hitchcocks „Psycho“ ohne die schrillen Streicher nicht denkbar.

Als Rüdiger Steinmetz 2005 „Filme sehen lernen. Grundlagen der Filmästehtik“ gemeinsam mit dem Kulturverlag Zweitausendeins veröffentlichte, konnte niemand absehen, dass sich „Filme sehen lernen“ zu einer erfolgreichen Reihe entwickeln würde. Am 24. Januar 2012 wird der dritte Band „Filmmusik. Filme sehen lernen 3“ veröffentlicht und gleichzeitig werden die ersten beiden Bände neu aufgelegt.

Während im ersten Band die Arbeit mit der Kamera und der Schnitt, also die Grundlagen beleuchtet wurden, lag der Schwerpunkt des zweiten Bandes auf „Licht, Farbe, Sound“. Die Besonderheit der Reihe „Filme sehen lernen“ ist, dass ein Begleitbuch die auf einer beigelegten DVD gesammelten Filmbeispiele erklärt, die Serie also sehr anschaulich bzw. mit dem neuen Band auch anhörlich ist. Verpackt sind die DVD und das Begleitbuch in einem hochwertigen Schuber.

Bisher erschienen:

  • Steinmetz, Rüdiger: „Filmmusik. Filme sehen lernen 3“, DVD
  • Steinmetz, Rüdiger: „Licht, Farbe, Sound. Filme sehen lernen 2“, 2 DVDs.
  • Steinmetz, Rüdiger: „Filme sehen lernen. Grundlagen der Filmästhetik“, DVD

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