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Weiner, Matthew: Mad Men, Staffel 4

Eine sehr gute halbe Staffel

Fernsehserie „Mad Men“, Staffel 4

In den ersten drei Staffeln waren die Werbeleute der amerikanischen Erfolgsserie „Mad Men“ stets gut aufgelegt. Es gab genug von allem: Geld, Arbeit, Sicherheit; dazu noch Frauen, Zigaretten, Alkohol. Ein kleines Herrenparadies. In den 13 neuen Episoden der vierten Staffel überwiegen an der Madison Avenue im New York der 1960er Jahre dagegen die Schwierigkeiten. Wenige Arbeit, kaum Geld, keine Sicherheiten. Rauchen gilt zunehmend als ungesund, der Whiskey schlägt auf den Magen und nur die Emanzipation der Frauen liegt noch ein paar Jahre in der Zukunft. „Gentlemen, sollen wir das Jahr 1965 beginnen“, lautet die Aufforderung der vollbusigen Chefsekretärin Joan Harris (Christina Hendricks) zu Beginn der Staffel. Das Serienleben wird härter und ernster, trotzdem ist es selten so unterhaltsam wie bei den Mad Men.

Fans und Freunde der Serie dürfen sich freuen, alle zentralen Figuren wurden in die neue Werbeagentur Sterling Cooper Draper Pryce, kurz SCDP, und somit die vierte Staffel übernommen: Der smarte, extrem ehrgeizige Peter „Pete“ Campbell (Vincent Kartheiser), der zynische Roger Sterling (John Slattery), der in sich ruhende Bert Cooper (Robert Morse) und die Werbetexterin Peggy Olson (Elisabeth Moss). Sie alle kreisen um den Mittelpunkt der Serie, den Kreativkopf und Frauenschwarm Donald Draper (Jon Hamm).

Das fragile Kartenhaus der Mad Men

Am Ende der dritten Staffel wurde die alte Agentur Sterling Cooper aufgegeben und die neue Agentur SCDP gegründet. Man hat Leute eingestellt, ein größeres Büro bezogen und gewinnt dennoch zu wenige neue Kunden. Schon bald geht es um die Existenz. Alle Ideen und Winkelzüge bleiben ohne Erfolg – auch weil mit Ted Chaough ein neuer Konkurrent mit eigener Agentur auftritt, dessen Ehrgeiz darin besteht, besser und erfolgreicher zu sein als Draper.

Bei Sterling Cooper Draper Pryce verlassen sich alle auf die Strahlkraft ihres kreativen Kopfes. Doch dieser kämpft nach der Scheidung von seiner Frau Betty mehr mit sich selbst als um neue Kunden. Statt eines spritzigen, gut aufgelegten Donald Draper hat man einen trauernden Egomanen. Als dann auch noch mit dem Zigarettenhersteller Lucky Strike der Hauptkunde kündigt, gehen die Mad Men für neue Kontakte sogar auf eine Trauerfeier, sie werden zu Desperate Men und ihr Darling Draper gleich in zweifacher Weise.

Don Draper - Der große Egomane

Wirkte er schon in den ersten Staffeln unnahbar, schottet er sich nun von seiner Umwelt ab. Misstrauisch gegenüber allem Psychologischen erkennt er nicht, dass er trauert, ja trauern muss. Er erkennt nicht, dass er sich verschließt. In der Figur des Donald Draper ist in der vierten Staffel eine sehr gute Darstellung von Einsamkeit gelungen. Einer, der nur an die Arbeit denkt, findet nicht viel emotionalen Rückhalt bei den Menschen. Bei der Arbeit steht er ganz oben ganz alleine, weil sich alle Anderen auf ihn verlassen. Da muss man den Boden unter den Füßen verlieren. Erst die blonde Psychologin Faye schafft es, Don zu öffnen. Nicht als Psychologin, sondern als potentielle Partnerin.

Immer am Zeitgeist – Rauchen, saufen und Frauen nachstellen

Die eigentliche Stärke der Serie liegt ohnehin nicht bei der Handlung oder den Figuren, obwohl beide packend sind. Das Setting ist der Star. Die Macher rekonstruieren eine Welt, wie die 1960er Jahre wirklich hätten sein können. Die Einrichtung der Büros, die Kleidung, die Frisuren und das Make-Up; die Art und Weise, wie sich die Figuren geben – alles stilvoll und scheinbar echt. Für den Zuschauer ertönt der Sound einer Zeit. So wie auch das Knistern der Spurrillen einer Schallplatte in eine vergangene Zeit versetzt. Das mag nach wenig klingen, ist aber viel. Es ist, als würde man die Welt durch die Augen eines Anderen betrachten.

Vor allem ist es schön zu sehen, wie die Figuren in ihrer Serienzeit gefangen sind. Gerne würden wir als Menschen des 21. Jahrhunderts einiges anders machen (oder insgeheim genauso), aber die Figuren stecken im Korsett ihrer Zeit. Besonders deutlich wird es bei Peggy Olson, die sich mehr Gleichberechtigung am Arbeitsplatz wünscht und dabei die politische Dimension der Geschlechterrollen nicht erkennt. Sie besitzt nicht das richtige Bewusstsein dafür Mitte der 1960er Jahre.

Eine halbe Staffel nur

So gut die Serie erzählt ist und so hervorragend die Schauspieler in den verschiedenen Settings aussehen, die vierte Staffel von Mad Men hat einen gravierenden Mangel: Sie ist eigentlich nur eine halbe Staffel, das Aufwärmprogramm für die fünfte. Kaum einer der begonnenen Erzählbögen wird auch abgeschlossen. Don befreit sich gerade erst aus seinem Tief. Joanies Schwangerschaft – nach einem One-Night-Stand mit Roger Sterling – wird erst langsam sichtbar. Die finanziellen Schwierigkeiten der Agentur bleiben unverändert, woran auch der Lichtblick eines neu gewonnenen Kunden nichts ändert. Weil die Erzählbögen schon zur Hälfte erzählt und zur anderen Hälfte noch offen sind, sind sie definitiv keine Cliffhanger. Drapers plötzlich anstehende Hochzeit, für die er sogar Faye, die Frau auf Augenhöhe, sitzen lässt, wäre so einer.

Insgesamt ist die vierte Staffel nicht als Einsteig in die Werbewelt der Mad Men geeignet. Zwar wird sie durch die exzellente Ausstattung, das gute Schauspiel und die sehr guten Dialoge der hohen Messlatte von drei Golden Globe (2008 bis 2010) und vier Emmy Auszeichnungen (2008 bis 2011) gerecht. Trotzdem wirkt sie wie das Zwischenspiel auf dem Weg zur fünften Staffel. Neueinsteiger sollten mit einer früheren Staffel beginnen, Fans der Serie sich in Geduld üben, bis die fünfte Staffel aus der halben eine ganze Staffel macht.

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