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Spielberg, Steven: Jurassic Park

Das fiese Lächeln der Velociraptoren

Spielberg, Steven: Jurassic Park, 1993

Wenn es unter den Dinosauriern einen gibt, der die menschliche Fantasie am stärksten beflügelt, dann ist es der Tyrannosaurus Rex, kurz T-Rex. Mit seiner aufrechten Haltung und dem Image eines Jägers ist er der spektakulärste aller Dinosaurier. Darum durfte man vermuten, als „Jurassic Park“ 1993 in die Kinos kam, dass er die Hauptrolle spielen würde, zumal sein skelettenes Profil das Logo des Parks zierte und auch auf dem Filmplakat zu finden war. Tatsächlich aber jagen ihm in dem Film des Regisseurs Steven Spielberg die intelligenten und im Rudel jagenden Velociraptoren nicht nur den Rang ab, sondern auch die menschliche Beute.

Konsequentes Säen und Ernten im Jurassic Park

Allem voran ist „Jurassic Park“ ein konsequent erzählter Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton aus dem Jahr 1990 basiert. Jedes Ereigniss ist immer auf irgendeine Weise vorbereitet. Man spricht vom Säen und Ernten, davon ein „Set-up“ zu erstellen, um später den „Payoff“ zu kassieren. Genau dies macht „Jurassic Park“ in Vollendung. Wenn der Archäologe Alan Grant (Sam Neill) zu Beginn einem kleinen Jungen Angst einjagt, indem er von den Jagdstrategien des Velociraptors erzählt, dann muss er sich später mit den Enkeln des exzentrischen Milliardärs John Hammond (Richard Attenborough) plagen und vor jagenden Raptoren fliehen, die genau diese Taktiken anwenden.

Doch es ist auch die Inszenierungskunst von Steven Spielberg, die den Film aus dem Gros anderer Action- und Abenteuerfilme heraushebt. Kleine, scheinbar unsichtbare Details geben den Figuren Charakter, zum Beispiel die Art und Weise wie die einzelnen Figuren ihren Anschnallgurt schließen. Wer würde sich heute noch die Zeit nehmen, dies in einzelnen Einstellungen zu erzählen? Welcher Regisseur würde es so herrlich nebenbei einflechten, dass es nicht manieriert wirkt?

Spielberg inszeniert kleine Details und große Bilder

Aber auch die Geschichte und die Inszenierung durch Steven Spielberg erklären noch nicht den Erfolg von „Jurassic Park“. Eine richtige Revolution war seinerzeit die Anwendung von CGI (Computer Generated Images) in noch nicht bekannter Qualität, um die Dinosaurier zum Leben zu erwecken. So spektakulär sie damals gewesen ist und so sehr sie auch heute noch beeindruckt – am meisten gewinnt die Darstellung durch ihre Inszenierung.

Gerade ist die Reisegruppe um den Paläontologen Alan Grant in den Park eingefahren, als ihnen die ersten Dinosaurier begegnen. Doch die Urzeittiere werden nicht einfach gezeigt. Zuerst ist es der ungläubige Blick Grants, der in einem langen Close-up zu sehen ist. Ein gutes Set-Up, um den Payoff Dinosaurier zu genießen. Aber hier zeigt Spielberg, warum er ein Meister seines Faches ist. Denn zunächst macht Grant seine Kollegin Dr. Ellie Sattler (Laura Dern), die ganz in die Karte versunken ist, auf den fantastischen Anblick aufmerksam. Durch diese Verzögerung wird das Set-Up nicht nur ausgebaut, sondern die Szene erhält durch den Wissensunterschied eine Prise Humor. Erst nach der sprachlos faszinierten Dr. Sattler darf auch der Zuschauer die Dinosaurier aus dem Computer sehen. Schließlich ist der Payoff sehr zufriedenstellend.

Einen wesentlichen Beitrag zum gelungenen Gesamteindruck trägt auch die Filmmusik bei, die von John Williams komponiert wurde, der auch bei „Star Wars“, „Der weiße Hai“, „Indiana Jones“ oder vielen anderen Filmen für den Soundtrack verantwortlich war. (Die Musik von John Williams bei Amazon bestellen). Wenn sich das hohe hölzerne Tor zum Park zum ersten Mal öffnet und die Fanfaren einsetzen, dann entdeckt der Zuschauer gemeinsam mit den Schauspielern die vergessene Welt.

Zweigeteilte Dramaturgie: Erst die Idylle und dann der Schrecken

Besonders das Entdecken spielt eine wichtige Rolle in der Dramaturgie des Films. Er ist zweigespalten, wie es 1999 auch „Titanic“ sein wird. Der erste Teil des Films ist idyllisch: großartige Panoramen, grüne Landschaften und friedliche Tiere lassen die Besucher nicht aus ihrem Staunen herauskommen. Mit kindlicher Freude können sich die Wissenschaftler zwischen den pflanzenfressenden Sauriern frei bewegen. Doch je idyllischer der erste Teil ist, desto härter treffen den Zuschauer die Schrecken im zweiten Teil, wenn aus den Betrachtern Gejagte werden.

Dann bewahrheiten sich die mahnenden Worte des Chaostheoretikers Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum): Das Leben findet immer einen Weg. Seine Worte bereiten nicht nur als Set-up den zweiten Teil des Films vor, sie sind auch seine moralische Botschaft. Die Wissenschaft ist das Eine. Das Leben ist das Andere und es findet einen Weg, selbst wenn es über den Umweg des Verräters Dennis Nedry (Wayne Knight) sein muss, der aus Geldgier alle Sicherheitssysteme des Parks abgeschaltet hat. Den Zuschauer treffen die Schrecken des zweiten Teils darum so hart, weil er schon an einer funktionierenden, grandiosen Version des Jurassic Park schnuppern durfte. Ein Traum, zum Greifen nah.

Was kann man dem Film also vorwerfen? Vielleicht, dass die weniger sympathischen Figuren, wie der Anwalt oder der Verräter die ersten Opfer der Dinosaurier werden und die sympathischen Wissenschaftler und kleinen Kinder gegen jede Wahrscheinlichkeit überleben. Ebenso unwahrscheinlich ist es, dass die Jugendliche Enkelin Hammonds nicht nur Computer hacken kann, sondern sich auch im komplizierten System des Parks schnell zurecht findet. Aber „Jurassic Park“ ist kein naturalistisches Drama, der Film folgt nicht dem Diktat der Wahrscheinlichkeit. Er ist Eventkino und ästhetisches Spektakel. Er soll schöne Bilder und große Gefühle vermitteln und da er dies auf plausible Weise tut, fühlt sich der Zuschauer zu Recht gut unterhalten.

Letztlich führen die neuartige Animationstechnik, die Inszenierungskunst Spielbergs und die überzeugend erzählte Geschichte zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Während man vor „Jurassic Park“ dem König der Dinosaurier mit beinahe romantischen Gefühlen begegnete, jagen seine Thronfolger, die Velociraptoren, dem Publikum einen Schauder über den Rücken. Vielleicht, weil sie von allen Dinosauriern am menschenähnlichsten sind. Sie jagen gemeinsam und ohne Gnade. Wenn Sie ein Opfer fixiert haben, meint man, ein fieses Lächeln erkennen zu können. Als ausgleichende Gerechtigkeit behält der T-Rex zumindest am Ende des Films die Oberhand. Dann nämlich tötet er die beiden Raptoren, die die Menschen vor sich her getrieben hatten und rettet die verbliebene Expedition.

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